Das Café ohne Namen
Robert Seethaler
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Wien im Jahre 1966, die Stadt erblühte nach dem Krieg zu neuem Leben. Simons Vater ist im Krieg gefallen. Eine seiner wenigen Erinnerungen war: der Vater zog einen dicken Wintermantel an und ging zur Türe hinaus. Er kam nie mehr zurück. Drei Monate später starb die Mutter, nachdem sie die Nachricht erhalten hatte, ihr Mann sei im Feldlazarett an einer Blutvergiftung, die er sich beim Entrosten von Eisennägeln zugezogen hatte, gestorben. Simon kam in einem Heim für Kriegswaisen unter. Nach dem Ende des Krieges, als er 15 Jahre alt war, verliess er die Schule. Zum Geld verdienen erledigte er verschiedene Hilfsarbeiten. Bei einer Kriegswitwe fand er ein kleines Zimmer. Er begann als Gelegenheitsarbeiter auf dem Markt zu arbeiten. Als das Markt Café schloss, reifte in Simon der Gedanke ein eigenes, sein eigenes Café zu eröffnen. Bald darauf übergab ihm der Besitzer Varovsky die Schlüssel des Cafés. Wie sollte das Café heissen? Simon sass mit seinem Freund, dem Metzgermeister, an einem kleinen Tischchen draussen an der Sonne und sie suchten nach einem passenden Namen für das Café. Der Metzgermeister meinte nach kurzem Nachdenken: „Vielleicht ist es auch egal! Dann bleibt dein Café eben ohne Namen und dies ist richtig so.“
Die junge Hilfsnäherin Mila Szabica war ein Mädchen vom Land, ihre Eltern einfache Apfelbauern. Mila wurde in die Stadt geschickt, dort nähte sie Blusen in einer Textilfabrik. Eines Tages wurde allen ArbeiterInnen an einer Versammlung die Entlassung mitgeteilt. Es hiess, die chinesischen Arbeiter seien billiger. Ihr Erspartes reichte für drei Monate. Eines Tages lief sie über den Markt und vor dem Fleischstand fiel sie in Ohnmacht. Der Fleischermeister half ihr auf, ging mit ihr in das Café und bestellte für sie ein Glas Soda. Sie brach in Tränen aus und erzählte, sie sei auf Arbeitssuche und vor lauter Hunger sei ihr schwarz vor den Augen geworden. Bald darauf begann Mila im Café ohne Namen zu arbeiten.
Das Café befand sich in einem Armenviertel. Die Menschen kamen und erzählten ihre Geschichten. Zum Beispiel Heidi Bartholome, die ihren Lebensgefährten, den Maler Mischka Troganjew, im Café suchte oder der alte George, ein kleiner dünner Mann mit Glatze und Bartstoppeln, der einen zu grossen, schmutzigen Mantel mit Flicken trug und immer einen klaren Schnaps trank, jedoch nie Schulden machte.
Robert Seethaler beschreibt die Menschen auf eine feinfühlige und liebevolle Art. Das Buch mit kurzen Kapiteln ist sehr angenehm zum Lesen. Am liebsten möchte man selbst einmal im Café gesessen und die beschriebene Stimmung erlebt haben.
Robert Seethaler wurde 1966 in Wien mit einem Augenfehler geboren. Er wurde danach etliche Male operiert. Er besuchte die Blinden- und Seebehinderten Schule in Wien und konnte in jungen Jahren auf das Gymnasium wechseln, dass er mir 15 Jahren verliess. Es begannen Lern- und Wanderjahre. Er konnte viele verschiedene Berufe kennenlernen. Später holte er die Matura nach und besuchte die Schauspielschule in Wien. Er nahm an zahlreichen Film und Theaterproduktionen teil. Im Jahr 2014 erschien sein erster Roman
“ Die Biene und der Kurt“. Weitere Romane folgten, er wurde mit Preisen ausgezeichnet. Heute lebt er in Berlin und Wien.
Rahel Schaffner
Schul- und Gemeindebibliothek Wasen
